Der verwirklichte Mensch hat kein Karma mehr
Januar 8, 2009
dasendedeskarmas
F: Der verwirklichte Mensch hat kein Karma mehr. Karma bindet ihn nicht. Warum sollte er dennoch im Körper verbleiben?
A: Wer stellt diese Frage, der Verwirklichte oder der Ajnani? Was kümmert es Sie, was der Jnani tut oder warum er etwas tut? Kümmern Sie sich um sich selbst. Sie meinen jetzt, der Körper zu sein, und glauben deshalb, dass auch der Jnani einen Körper besitzt. Sagt der Jnani, dass er einen Körper besitzt? Für Sie scheint es so zu sein, und es sieht so aus, als täte er Dinge mit dem Körper wie alle anderen, aber er weiß, dass er körperlos ist.
Ein verbranntes Seil sieht noch aus wie ein Seil, aber Sie können damit nichts mehr binden. So ist es mit dem Jnani. Er mag wie andere Menschen aussehen, aber das ist nur der äußere Schein. Solange man mit dem Körper identifiziert ist, ist das schwer zu verstehen. Deshalb werden solche Fragen mitunter folgendermaßen beantwortet: «Der Körper des Jnani dauert, bis sein Prarabdha abgearbeitet ist, und fällt ab, wenn sein Prarabdha sich erschöpft hat.» Als Beispiel dient gelegentlich der bereits abgeschossene Pfeil, der weiterfliegt, bis sein Ziel erreicht ist. Aber die Wahrheit ist, dass der Jnani jedes Karma, einschließlich des Prarabdha, überwunden hat. Er ist nicht an den Körper und seine Karmas gebunden.
Nicht ein Fünkchen von Prarabdha existiert für den, der ständig im Raum des absoluten Bewusstseins verbleibt, das ständig als «Ich bin» leuchtet und das ohne Begrenzung alles durchdringt. Nur das ist die Bedeutung des alten Ausspruchs: «Es gibt kein Schicksal für den, der den Himmel erreicht oder erfahren hat.»
F: Wenn etwas auf mich zukommt, ohne dass ich es geplant oder dafür gearbeitet habe, und ich genieße es, wird es dann schlechte Konsequenzen für mich haben?
A: So ist das nicht. Jede Handlung hat ihre Konsequenzen. Wenn durch Prarabdha etwas auf Sie zukommt, können Sie es nicht ändern. Wenn Sie es ohne Verhaftung und ohne Verlangen nach mehr annehmen, wird es nicht zu weiteren Geburten führen. Wenn Sie es aber andererseits mit großer Verhaftung genießen und noch mehr davon haben wollen, führt das zu weiteren Geburten.
F: Nach Auffassung der Astrologie kann man durch den Einfluss der Sterne über kommende Ereignisse Vorhersagen machen. Stimmt das?
A: Solange Sie Ego-Bewusstsein haben, stimmt es. Wenn Ihr Ego verschwunden ist, stimmt es überhaupt nicht.
F: Heißt das, dass Astrologie für diejenigen, die ihr Ego überwunden haben, nicht stimmt?
A: Wer ist dann noch da, der sagen könnte, dass sie nicht stimmt? Sehen gibt es nur, wenn jemand da ist, der sieht. Die ihr Ego überwunden haben, scheinen zu sehen, sehen aber in Wirklichkeit nicht.
Schicksal ist das Ergebnis früherer Handlungen. Es betrifft den Körper. Lassen Sie den Körper handeln, wie es ihm passt. Was kümmert es Sie? Warum schenken Sie ihm Beachtung? Wenn etwas geschieht, ist es das Ergebnis früherer Handlungen, des göttlichen Willens und anderer Faktoren.
F: Die Gegenwart wird durch das vergangene Karma bestimmt. Können wir dieses Karma jetzt durch Willensentscheidung überwinden?
A: Stellen Sie fest, was Gegenwart ist. Wenn Sie das tun, werden Sie sehen, was Vergangenheit und Zukunft hat oder davon berührt wird, was stets gegenwärtig und frei ist, und was von Vergangenheit und Zukunft und von vergangenem Karma unberührt bleibt.
F: Gibt es so etwas wie Willensfreiheit?
A: Wessen Wille ist es? Solange es die Vorstellung gibt, der Handelnde zu sein, ist auch Vergnügen und individueller Wille vorhanden. Geht diese Vorstellung durch Übung von Vichara verloren, geschieht der Wille Gottes und lenkt die Ereignisse. Schicksal wird durch Jnana, Selbsterkenntnis, überwunden, das jenseits von Wille und Schicksal ist.
F: Ich kann begreifen, dass die herausragenden Eigenheiten des menschlichen Lebens wie Heimat, Nationalität, Familie, Beruf, Heirat, Tod usw. vom Karma vorbestimmt sind. Aber kann es stimmen, dass alle Einzelheiten des Lebens bis in die kleinsten Kleinigkeiten bereits festliegen? Ich lege jetzt zum Beispiel diesen Fächer in meiner Hand auf den Boden. Kann es sein, dass bereits festgelegt war, dass ich an diesem Tag, zu dieser Stunde den Fächer hier niederlegen würde?
A: Gewiss. Was dieser Körper tun wird und welche Erfahrungen er machen muss, war bereits festgelegt, als er in Erscheinung trat.
F: Wie steht es dann mit der Freiheit des Menschen und seiner Verantwortung für sein Tun?
A: Die einzige Freiheit, die der Mensch besitzt, ist das Ringen um Jnana, das ihm hilft, seine Identifizierung mit dem Körper loszuwerden.
aus einem Interview mit Shri Ramana Maharshi
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